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Ich war noch niemals in New Work – co:Lab

Ich war noch niemals in New Work

Ein amerikanisch-österreichischer Philosoph prägte schon in den 70ern den Begriff „New Work“. Welche Konzepte von damals noch heute aktuell sind

Mit seinen 87 Jahren und den zerzausten weißen Haaren ähnelt der Urheber der „New Work“-Theorie ein wenig dem späten Albert Einstein. Frithjof Bergmann, ein amerikanisch-österreichischer Philosoph, hat in den 70er Jahren Thesen zur Zukunft der Arbeitswelt aufgestellt, die heute eine ganz neue Aktualität erfahren. Kurz zusammengefasst geht Bergmanns Theorie der „Neuen Arbeit“ so: Ende der 70er Jahre schreitet die Automatisierung immer weiter voran, die ersten Computer ersetzen den Menschen in der Fabrik. Bergmann sucht in der amerikanischen Industriestadt Flint, einer Automobilstadt, nach Alternativen zu Massenentlassungen durch den Wegfall der Arbeitsplätze. Er schlägt einen neuen Weg der Arbeit vor: Menschen sollten herausfinden, „was sie wirklich, wirklich wollen“. Sein Vorschlag: Die Industrie setzt nicht die Hälfte der Mitarbeiter vor die Tür, sondern gibt allen Mitarbeitern Arbeit für sechs Monate. In den anderen sechs Monaten sollten die Fabrikarbeiter im von Bergmanns Team geschaffenen „Zentrum für Neue Arbeit“ herausfinden, was sie „wirklich, wirklich wollen“. In seinem Buch „Neue Arbeit, Neue Kultur“ schreibt der Wissenschaftler: Das Zentrum wollte „alle Anstrengungen unternehmen, damit sie in diesen sechs Monaten tatsächlich diese sinnvollere und erfüllendere Arbeit tun konnten und darüber hinaus mit dieser Arbeit auch noch ein substantielles Einkommen erzielen würden.“

Bei der XING New Work Experience-Konferenz im April 2017 sitzt Bergmann vor Publikum auf der Bühne. Er wirkt mit seinem wilden Vollbart und den zotteligen Haaren ein wenig deplatziert, doch als er beginnt, über das zu sprechen, was Menschen „wirklich, wirklich wollen“, spricht der 87-jährige im Rollstuhl sitzende Professor diese Worte mit Inbrunst vor. Er lacht, weil er sich erinnert, auf wie viel Skepsis seine Idee getroffen ist: „Ihr glaubt doch nicht, dass Menschen nach 25 Jahren am Fließband noch wissen, was sie wollen“, hätten ihm seine Kritiker entgegnet. Doch Bergmanns Untersuchungen zeigten, dass nur die wenigsten Menschen wussten, „was sie wirklich, wirklich wollen“. Eine Tatsache, die die Forscher zu weiterer Forschung anregte.

Viele Arbeiter wissen nicht, was sie wirklich wollen – die „Armut der Begierde“

Bergmann nennt das die „Armut der Begierde“. Der Mensch weiß nicht, was er wirklich will. Er kann seine Wünsche nicht ausdrücken und ist unfähig, eigene Projekte in die Tat umzusetzen. Was „New Work“ bedeutet, hat Frithjof Bergmann in seinem Grundlagenbuch so formuliert: „Nicht wir sollten der Arbeit dienen, sondern die Arbeit sollte uns dienen. Die Arbeit, die wir leisten, sollte nicht all unsere Kräfte aufzehren und uns erschöpfen. Sie sollte uns stattdessen mehr Kraft und Energie verleihen, sie sollte uns bei unserer Entwicklung unterstützen, lebendigere, vollständigere, stärkere Menschen zu werden.“ Bergmann fordert eine „Umkehrung“ der Arbeit, die „Lohnarbeit“, die durch die industrielle Revolution entstanden sei, sei am Ende. Menschen würden sich in Zukunft selber verwirklichen.

„In 20 Jahren sehr vielseitiger Erfahrungen mit dem Phänomen Arbeit haben wir gesehen, dass eine Arbeit, die guten Gebrauch von den Veranlagungen und Talenten der Menschen macht, eine Arbeit, die ihren tiefsten Wünschen entspricht und an die sie glauben, die sie als Herausforderung und Berufung empfinden, die Menschen nicht auslaugt, sondern das genaue Gegenteil tut: Sie gibt den Menschen mehr Energie, stärkt sie und hebt sie auf eine höhere Ebene“, schreibt Bergmann in seinem Buch über die Wirkung von erfüllender Arbeit.

Jobsharing, Co-Working, Telearbeit – Konzepte, die dem Geist der „New Work“ entsprechen

Damit entsprechen Bergmanns Thesen aus den 70ern exakt jenen Debatten, die heute um die Zukunft der Arbeitswelt, der Industrie 4.0 und der „New Work“-Idee geführt werden. Auch heute bedrohen die Digitalisierung und die künstliche Intelligenz Arbeitsplätze. Nicht nur in der Produktion. Heißt das, dass Menschen mehr Zeit zur Selbstverwirklichung bekommen? Oder heißt das, dass die Arbeitslosenzahlen extrem steigen werden und eine Überlastung der Sozialsysteme droht? Es sind hitzige Debatten mit vielen Unsicherheiten, aber auch vielen Hoffnungen, die derzeit geführt werden.

Es gibt viele Konzepte, die aus der „New Work“-Idee heraus schon heute praktiziert werden: Telearbeit, Desk- und sogar Jobsharing, Co-Working. Alles Modelle, die eine flexiblere, agilere Arbeitswelt versprechen. Sie müssen nur umgesetzt und angenommen werden. Im „co:Lab by District Five“ machen die Besucher mit einigen dieser Ideen bereits gute Erfahrungen.

Frithjof Bergmanns Auftritt bei der XING-Konferenz im Video: https://www.youtube.com/watch?v=29IoGFD86QM

Frithjof Bergmann, Neue Arbeit, Neue Kultur: https://www.arbor-verlag.de/b%C3%BCcher/weitere-themen/neue-arbeit-neue-kultur

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